75 Jahre Bergfriedhof: Veranstaltungsreihe zum Jubiläum
Pressemitteilung vom 24.03.2025
Der Tübinger Bergfriedhof wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Mit einem vielfältigen Jahresprogramm unter dem Motto „Natur und Kultur auf dem Tübinger Bergfriedhof“ soll das Jubiläum gebührend gefeiert werden. Zu folgenden Veranstaltungen sind alle Interessierten herzlich eingeladen:
- Am Sonntag, 30. März 2025, findet um 7 Uhr eine Vogelführung über das 15,4 Hektar große Gelände des Bergfriedhofs statt. Der Treffpunkt ist am Haupteingang. Die Führung leitet Doris Brötz, Mitglied des Vorstandes des Tübinger Naturschutzbundes.
- Am Mittwoch, 7. Mai 2025, wird um 15 Uhr unter dem Titel „Vom Kirchhof zum Friedhof“ ein Bildvortrag in der Waldkapelle angeboten. Bernd Walter, Bereichsleiter Tübinger Friedhofswesen, spricht dabei über die Tübinger Friedhofsgeschichte.
- Am Sonntag, 18. Mai 2025, zeigt der Bergfriedhof-Imker Albert Reimus um 14 Uhr allen Interessierten seine Bienen, gibt Einblicke in den Umgang mit den Tieren und beantwortet Fragen. Der Treffpunkt ist am Haupteingang.
- Am Donnerstag, 29. Mai 2025, wird um 13 Uhr eine Ausstellung zur Ikonenmalerei in der Waldkapelle eröffnet. Danach erläutert Christine Zeeb aus Gomaringen die Geschichte der Ikonenmalerei, zeigt eine Auswahl ihrer Werke und beantwortet Fragen zu Herstellung und Bedeutung.
- Am Samstag, 21. Juni 2025, findet um 18 Uhr in der großen Halle eine Lesung des Bestseller-Autoren Dr. Peter Prange statt. Er liest aus seinem Buch „Ein Autor angesichts des Tods. Die schönsten Beerdigungsszenen aus Peter Pranges Romanen“.
- Am Mittwoch, 2. Juli 2025, bietet Bernd Walter, Bereichsleiter des Tübinger Friedhofswesens, um 15 Uhr eine Sonderführung über das 15,4 Hektar große Gelände des Bergfriedhofs an und spricht über dessen Geschichte, die Bäume und neue Grabanlagen. Der Treffpunkt ist am Haupteingang.
- Am Sonntag, 13. Juli 2025, tritt um 15 Uhr in der großen Halle der Gospelchor der „Friends“ aus Ofterdingen auf. Die Freiwillige Feuerwehr Derendingen übernimmt die Bewirtung.
- Am Sonntag, 21. September 2025, gibt die Klezmer-Gruppe „Jontef“ um 17 Uhr ein Gastspiel in der großen Halle unter dem Titel „In majn harzn brent a fejer“.
- Am Mittwoch, 22. Oktober 2025, spricht Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen um 15 Uhr bei einer Führung über große Persönlichkeiten, die auf dem Bergfriedhof begraben liegen. Er führt dabei unter anderem zu den Gräbern von Ernst und Karola Bloch, Theodor Eschenburg, Wolfgang Schadewald, Lew Druskin und Emma Brunner-Traut.
Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Spenden für die Kindergemeinschaftsgrabstätte „Schmetterling“ sind willkommen. Die meisten Veranstaltungen dauern ein bis zwei Stunden. Bei starkem Regen fallen die Veranstaltungen im Freien aus.
Die Geschichte des Tübinger Bergfriedhofs
Die Pläne für eine Begräbnisstätte auf dem Galgenberg reichen zurück in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg und besonders ab 1944 wurde es in Tübingen zunehmend schwieriger, geeignete Grabstätten für die Kriegstoten auf den vorhandenen Friedhöfen zu finden. Deshalb musste der neue Friedhof im letzten Kriegsjahr schnell angelegt werden. Bereits 14 Tage nach Ausweisung der Fläche fand die erste Beerdigung statt. 410 gefallene Soldaten und 14 zivile Kriegsopfer aus den Lazaretten fanden bis 1948 im Eichen-Buchen-Mischwald ihre letzte Ruhestätte. Am 16. Juli 1950 löste der Bergfriedhof den Stadtfriedhof als Tübinger Hauptfriedhof ab. Erst 1952 wurde das Gräberfeld abschließend gestaltet. Einfache kleine Steinkreuze unter den großen Bäumen gegenüber der Friedhofskapelle zeugen von diesem ersten Gräberfeld auf dem Bergfriedhof.
Im Laufe der Zeit wurde der Bergfriedhof mehrfach umgestaltet und erweitert. Im Jahr 1949 wurde eine erste Friedhofskapelle aus Holz, die heutige Waldkapelle, errichtet. Die große Trauerhalle mit Nebengebäuden wurde 1969 eingeweiht. Sie ist ausgestattet mit einer Orgel, hat mehr als 200 Sitzplätze und sieben Aufbahrungsräume. Mehrere Künstlerinnen und Künstler haben mit ihren Werken zur Ausstattung der Trauerhalle beigetragen. Die Waldkapelle wurde in der Folge zunächst nicht mehr genutzt und geriet zunehmend in Vergessenheit. Erst 2007 wurde sie aus ihrem fast 40-jährigen Dornröschenschlaf geweckt und dient seither wieder mit ihren rund 40 Sitzplätzen für Trauerfeiern und Beerdigungen. 2005 zog auch die Friedhofsverwaltung auf den Galgenberg und ist seither gegenüber vom Haupteingang zu finden. Auch die Friedhofsfläche wurde mehrfach erweitert. Heute erstreckt sich der Friedhof über mehr als 15 Hektar.
Verschiedene Bestattungsmöglichkeiten
Seit 2003 sind zwölf Gemeinschaftsgrabstätten entstanden, darunter der „Fluss der Zeit“, „Mein letzter Garten“, der Baumbeisetzungshain „Buchengrund“ und der „Rosengarten“. Die meisten Anlagen sind für Urnen, der „Rosengarten“ ist für eine Erdbestattung ausgelegt. Die Namen der Verstorbenen können auf einer gemeinschaftlichen Stele aufgeführt werden. Auch anonyme Bestattungen sind auf Wunsch möglich. Die Pflege während der 20-jährigen Ruhezeit übernimmt die Stadt. Seit 2019 kann man sich auch für Waldgräber oder ein Einzelbaumgrab entscheiden.
Auszeichnung als drittschönster Friedhof Deutschlands
Der Tübinger Bergfriedhof wurde 2014 als drittschönster Friedhof Deutschlands ausgezeichnet. Der schöne Baum- und Gehölzbestand sowie die vielfältige Vogel- und Pflanzenwelt verleihen dem Bergfriedhof einen ganz eigenen, parkartigen Charakter. Eingebettet in die Streuobstwiesen auf dem Galgenberg, dient er nicht nur den Trauernden, sondern auch vielen Erholungssuchenden als Ziel.
Jubiläums-Honig vom Imker des Bergfriedhofs
Anlässlich des Jubiläums können Besucher_innen des Bergfriedhofs zum Preis von 8 Euro ein Glas des Jubiläumshonigs erwerben. Der Honig stammt von den Bienen des Bergfriedhof-Imkers, dessen Arbeit ein eigener Programmpunkt in der Veranstaltungsreihe ist. Der Erlös kommt der Kindergemeinschaftsgrabstätte „Schmetterling“ auf dem Bergfriedhof zugute.
Dauerhaftes Bücherregal auf dem Bergfriedhof
Zum Jubiläumsjahr wird an der Stelle des Kerzenautomaten dauerhaft ein Bücherregal eröffnet. Wer auf den Bus wartet oder die Atmosphäre auf dem Gelände genießen möchte, kann dort ein Buch ausleihen und in ruhiger Umgebung lesen. Die Friedhofsverwaltung eröffnet das Bücherregal zusammen mit dem Schriftsteller Dr. Peter Prange. Die Bücher werden unter anderem von der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt.